Unser Konzept

Unsere Montessori Schule steht unter dem grundsätzlichen Motto von Maria Montessori: "Hilf mir es selbst zu tun". Sie spricht vom "inneren Bauplan" des Kindes, der es anleitet und anregt. Die Pädagogen/-innen haben die Aufgabe das Kind als Lernbegleiter/innen zu beobachten und die individuelle Lernentwicklung des Kindes gezielt mit Materialien und Anregungen zu unterstützen. Es kommt nicht darauf an, dass jedes Kind das Gleiche erreicht, sondern darauf, dass jedes Kind entsprechend seinen Möglichkeiten das Beste aus sich herausholt. Jedes Kind kommt mit unterschiedlichen Fähigkeiten und wird dort abgeholt, wo es gemäß seiner Entwicklung steht.

Aus diesem Grunde hat unsere Schule die für Montessori Schulen unabdingbare Jahrgangsmischung 1-3, 4-6, 7-8 und 9-10. Des Weiteren sind wir eine integrative Schule, da die Pädagogik Maria Montessoris besonders geeignet ist, Kinder mit ganz verschiedenen Fähigkeiten zu fördern.

Die Jahrgangsmischung

Maria Montessori erkannte, dass Kinder nicht nur durch die Anregungen lernen, die von Erwachsenen ausgehen. Das Eigeninteresse an einem Thema und Fachgebiet oder die Anregung durch eine/n Mitschüler/in sind meist noch stärkere Motoren, zumal sie vielfach effektiver sind. Darum forderte Maria Montessori, dass das Zusammenleben von drei Jahrgangsstufen – wie es im Kindergarten meist praktiziert wird (Drei-, Vier- und Fünfjährige) – in der Schule (1.-3. Klasse, 4.-6. Klasse, 7.-8. Klasse und 9.-10. Klasse) fortgesetzt werden müsse. Ab der 7. Klasse mischen wir nur jeweils zwei Klassen, da wir in der 7-8 unsere Schüler/innen verstärkt in Projekte außerhalb der Schule schicken wollen (eine Woche pro Monat) und die 9. und 10. Jahrgangsstufe jeweils von Prüfungen geprägt sind.

Wenn die sechsjährigen Kinder in die Schule aufgenommen werden, kommen sie dort in eine Klasse mit Sieben- bis Neunjährigen (1 bis 3). Sie wachsen auf natürliche Weise in die Klassen hinein. Die sozialen Regeln werden ihnen vorgelebt und müssen nicht neu erarbeitet werden. Hilfen erhalten die Schuleinsteiger/innen jederzeit von den Größeren. Sie sehen, was die Größeren tun und lassen sich davon anregen. Die individuelle Gestaltung des Unterrichts ermöglicht ihnen, auf ihrem eigenen Entwicklungsniveau zu arbeiten, ohne sich überfordert zu fühlen. Ein Jahr später gehören sie zu den Größeren und helfen wiederum den Kleineren, sich in die Schule einzuleben.

Dem Entwicklungszyklus entsprechend setzen sich unsere Lerngruppen aus den Jahrgangsstufen 1 bis 3, 4 bis 6, und später 7 bis 8 und 9 bis 10 zusammen. Durch die jährliche neue Zusammensetzung der Klassen entsteht eine Gruppendynamik, wodurch die sozialen Kompetenzen der Kinder enorm gefördert werden und Lernanreize in der Gruppe entstehen. Darüber hinaus werden die Übergänge in die neue Klasse durch Bekanntschaften leichter.

Der Unterricht

Unsere Schule wird nicht nur als Lernraum gesehen, sondern als ein die Kinder in ihrer Ganzheit betreffender Lebens- und Erfahrungsraum, in dem sich entscheidende Schritte ihres seelischen und geistigen Wachstums vollziehen. Das Lernumfeld soll so gestaltet werden, dass Kinder sinnliche und soziale Erfahrungen machen können.

Schon der zeitliche Ablauf an unserer Schule bietet dafür einen breiten Raum, da die Kinder jeden Tag mindestens bis um 15.30 Uhr zusammen sind. Der Unterricht beginnt um 8 Uhr (Mittel- und Oberstufe) bzw. 8.20 Uhr (Grundstufe) und ist in drei große Phasen eingeteilt: Die erste Phase dauert bis zur Brotzeitpause (etwa 10.15 bis 10.45), die zweite bis zum Mittagessen, das die Kinder gestaffelt zwischen 12.30 Uhr und 13.10 Uhr im schuleigenen Restaurant einnehmen.

An den Vormittagen machen die Kinder – begleitet von ihren zwei Pädagogen/-innen – Freiarbeit, in der Darbietungen eine ebenso wichtige Rolle spielen wie gemeinschaftliche Aktivitäten im Kreis.
Nach dem Mittagessen haben die Kinder eine weitere Pause, bevor sie ab 13.45 in die dritte Phase starten, um vertiefende Arbeiten, schulnahe Projekte oder Freiarbeit zu machen. Hierbei findet eine enge Zusammenarbeit zwischen den Pädagogen/-innen des Vormittags und den Hort-Pädagogen/-innen statt. Um 15.30 Uhr endet die gemeinsame Zeit in der Lerngruppe. Eine weitere pädagogische Begleitung ist dann im Hort mit Freispiel, AGs oder Freizeitaktionen bis maximal 17.30 Uhr buchbar.

Maria Montessori hat für ihre Pädagogik, bei der das Kind im Mittelpunkt steht, drei entscheidende Stützpfeiler genannt: Die Vorbereitete Umgebung, das darin sich befindende Material und als lebendigen Teil der/die Pädagoge/-in.

Die vorbereitete Umgebung soll Mittel zur Selbsterziehung enthalten und dem Lern-, Lebens- und Entwicklungsraum der Kinder angepasst sein, um ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit von den Pädagogen/-innen zu ermöglichen. Im Klassenraum sind Schränke und Regale offen zugänglich, das Material ist nach den verschiedenen Lernbereichen strukturiert und überschaubar geordnet. Es soll unabhängig von den Erwachsenen von seinem Platz genommen und wieder zurück gestellt werden können. Alles hat seinen festen Platz. Dies dient der Orientierung der Kinder und regt sie zum zielgerichteten Handeln an. Die äußere Ordnung trägt zu ihrer inneren Ordnung und Konzentration bei.



Die Montessori Materialien sind so gestaltet, dass sie die Entwicklung der Kinder unterstützen. Sie wecken ihre Neugier und führen zu vertiefter Konzentration. Die Kinder können mit ihnen ihre Lernerfolge selbst kontrollieren. Darüber hinaus bietet das Material Wiederholungsmöglichkeiten und eine variantenreiche Anwendung. Durch die ästhetische Gestaltung besitzt es einen hohen Aufforderungscharakter. Gegebenenfalls sind bei der Vorbereitung der Lernumgebung besondere Bedingungen einzelner Kinder zu berücksichtigen, damit sie zu möglichst selbstständiger Arbeit befähigt werden und an den Lernprozessen ihrer Klasse teilhaben können.

Eine Strukturierung und eine durchdachte Zeitplanung des Schultages und der Woche durch die Pädagogen/-innen - teilweise in Zusammenarbeit mit den Schülern - trägt zur Rhythmisierung des Unterrichts bei. Bei der Unterrichtsplanung, die sich an den anstehenden Aufgaben und Lernbedingungen der Schüler/innen orientiert, ist es in den jahrgangsübergreifenden Klassen zweckmäßig, vom 45-Minuten-Rhythmus abzuweichen. Regelmäßig wiederkehrende Elemente der Unterrichtszeit am Vor- und Nachmittag wie Anfangsphase, Mittagspause und Unterrichtsende werden in besonderer Weise pädagogisch gestaltet. Sie geben einen festen Ordnungsrahmen und schaffen eine Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens.

Die Freiarbeit

Das Zentrum der Montessori Pädagogik ist die Freiarbeit, um die alles aufgebaut ist. Die Freiarbeit ist die Basis des Unterrichts und dauert meist den ganzen Tag. Unterbrochen wird sie durch Darbietungen, Gesprächskreise oder andere Klassenrituale. Alle Themen und Fachgebiete fließen in die Freiarbeit ein. In der Freiarbeit können die Kinder selbstständig und weitgehend eigenverantwortlich Wissen und Können aller Fachgebiete erwerben. Sie bestimmen Ort und Inhalt sowie Dauer und Tempo ihrer Arbeit und entscheiden, ob sie alleine oder mit anderen arbeiten wollen. Sie lernen Informationen einzuholen, sich ihre Arbeit einzuteilen, die nötigen Materialien zusammenzustellen sowie ihren Arbeitsplatz vorzubereiten und wieder aufzuräumen. Auf diese Weise erwerben sie sich Arbeitstechniken und Lernstrategien. Die Kinder müssen die Fähigkeit des freien Arbeitens erst entwickeln, dabei werden sie von den Pädagogen/-innen begleitet. Durch ihre Pädagogen/-innen werden die Kinder in den Gebrauch der Lernmaterialien eingeführt (man nennt dies Darbietung oder Einführung), erhalten Beratung und jede notwendige Hilfe. Zeigen die Kinder, dass ihre Tätigkeit auch ohne Hilfe sinnvoll ist, gestalten sie ihre Lernvorhaben völlig selbstständig. Kinder, die von allein nicht zum rechten Gebrauch der Freiheit finden, werden von den Lehrpersonen behutsam aber konsequent geleitet, bis sie gelernt haben, mit ihrer Freiheit sinnvoll umzugehen.

Der Gesprächskreis

Die Klasse kommt im Kreis zusammen und wird hier als Gemeinschaft angesprochen. Zusammen wird dabei gesungen, gelesen oder erzählt. Oft wird der Kreis auch für eine gemeinsame Darbietung genützt. Der Schulalltag wird reflektiert und geplant, es werden Probleme angesprochen und notwendige Regeln im Klassenrat gemeinsam vereinbart. In jeder Klasse werden Klassensprecher gewählt, diese kommen in regelmäßigen Abständen im Schülerrat zusammen. Die Kinder gewinnen dadurch Einsichten in demokratische Strukturen und lernen deren Abläufe kennen. Der Schülerrat trifft mit der Vertrauenslehrerin zusammen, um gemeinsame Projekte und Ziele zu besprechen.

Die Darbietungen

Die Einführung eines neuen Materials nennt man Darbietung. Je nach Interesse oder Entwicklung zeigen die Pädagogen/-innen in mehreren Stufen (3-Stufen-Lektion), wie das Kind mit dem Montessori Material arbeitet. Meist wird bei der Darbietung wenig gesprochen, damit das Kind konzentriert beobachtet. Nach der Darbietung arbeiten die Kinder in der Freiarbeit mit dem Material und vertiefen sich. In weiteren Darbietungen werden die erlernten Fähigkeiten erweitert.

Eine besondere Form der Darbietung sind die kosmischen Erzählungen von Mario und Maria Montessori wie zum Beispiel die Entstehungsgeschichte der Erde oder die Entwicklung der Schrift. Die sieben Geschichten werden von den Pädagogen/-innen meist in Verbindung mit Experimenten und Anschauungsmaterial erzählt. Daraus entwickeln sich viele Themen und Projekte für die Freiarbeit.

Auch Projekte haben einen festen Platz im Unterricht. Themen, welche die Kinder interessieren, werden nach vielen Richtungen hin untersucht und bearbeitet. Es kann sich die ganze Klasse an einem Projekt beteiligen oder einzelne Gruppen, es können Eltern hinzugezogen werden oder Fachleute und Spezialisten von außen.
Die Ausgestaltung des Unterrichts und speziell der Freiarbeit passt sich den gegebenen Bedingungen an und kann von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe variieren. Bei den älteren Schülern kommt es immer wieder zu eher gebundenen Einheiten, zum Beispiel bei Einführungen im Fremdsprachenunterricht. Aus dieser möglichst kurz gehaltenen Gebundenheit werden die SchülerInnen zur vertiefenden Beschäftigung mit diesem Thema in die Freiarbeit entlassen.




Die Werkstatt der Generationen

Das Alleinstellungsmerkmal unserer Schule ist die WERKSTATT DER GENERATIONEN. Einmal pro Woche findet sie in den jeweiligen Lerngruppen statt. So kommen regelmäßig Senioren/innen mit unseren Kindern zusammen, um an einem Projekt (wie z.B. Lesehunde oder Erzählwerkstatt… > Genaueres unter WERKSTATT DER GENERATIONEN) zu arbeiten. Viele Themen greifen die Kinder auch nach den vorgestellten Projekten auf. Die Freiarbeit schafft für dieses Bedürfnis Raum.